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unten: Das Geschicklichkeitsfahren erfordert eine
ruhige Hand. |
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Schifffahrt auf dem Gondelteich
Leinen Los!
Rennyachten, Flottenschiffe und Hochseekreuzer
sind die Sommer-Attraktion auf dem Gondelteich im Stadtgarten. Wie
aber passt ein Hochseekreuzer bitteschön auf das doch recht
überschaubare Gewässer? Ganz einfach: Wir reden hier von Booten im
Kleinformat. Denn zurzeit ist Hochsaison für die Modellschiffbauer
des Nautic Clubs Castrop Rauxel.
1990 taten sich eine Hand voll einzelner
Modellschiff-Kapitäne zusammen und gründeten den Nautic Club. Der
Verein sollte die passenden Rahmenbedingungen für das gemeinsame
Hobby bieten: Die Mitglieder konnten eigene Regatten ausschreiben
und veranstalten und auch die Nutzung des Gondelteichs wurde
aufgrund der Anpachtung durch den Verein erleichtert. »Anfangs gab
es Probleme bei der Koordination mit dem ansässigen Angelverein«,
erinnert sich der 2. Vorsitzende Hans Ulrich Winkler, »doch das hat
sich im Laufe der Zeit geklärt.« Modellschiffbauer und Angler
sprechen sich für jede Saison zwecks Zeiten und Veranstaltungen ab.
Von April bis Oktober heißt es auf dem Gondelteich in jedem Jahr
»Leinen los!« Samstags zwischen 14 und 17 Uhr treffen sich die »Nauticer«
regelmäßig, um ihre Schiffe zu Wasser zu lassen. Die 20 Modellbauer
im Alter von 18 bis 80 Jahren trainieren dann nicht nur für die
nächste Regatta. Sie warten auch die drei Vereinsmodellschiffe oder
testen gar ein neu gebautes Boot zum ersten Mal auf dem Wasser.
»Solch eine Jungfernfahrt ist immer ein ganz besonderer Augenblick«,
weiß Hans Ulrich Winkler nur zu gut. Denn der Bau eines
Schiffmodells kann einige Jahre dauern. Ein kleineres Schiff, das in
seiner baulichen Zusammensetzung recht einfach konstruiert ist, sei
zwar auch eine Herausforderung, doch es könne bereits nach einigen
Wochen oder Monaten zu Wasser gelassen werden. Komplexere Modelle
benötigten hingegen oftmals viel Geduld und Präzision: »Es gibt sehr
große Boote, die detailgetreu in der Konstruktion des
Originalschiffes nach Bauplan zusammengesetzt werden. Nicht nur das
Gerüst des Schiffes, die Farben und Formen müssen dabei dem Original
entsprechen – ein Modellschiff sollte ebenso funktionieren wie das
Original in der realen Größe. Dabei gibt es schon mal bis zu 80
Sonderfunktionen. Von der Beleuchtung über Arbeitsfunktionen bis hin
zu den Puppen, die die Mannschaft darstellen und sich sogar auf dem
Deck bewegen, muss alles stimmen!«
Ob Bohrinselversorger, Kajütkreuzer, Flotten- und Marineschiff,
Rennyacht oder Schlepper, Arbeits- und Feuerlöschschiff – jede
Schiffkonstruktion ist vorhanden. Manche Modellschiffbauer wagen
sich sogar an Modelle, von denen es keine Bausätze oder gar
Original-Baupläne gibt. Sie fahren an die entsprechenden
Hafenstandorte, um die Originale zu fotografieren oder besuchen die
Werften, in denen die Schiffe ursprünglich gebaut wurden.
Hans Ulrich Winkler ist Modellschiffbauer mit Leib und Seele und
seit Vereinsgründung mit dabei. »Es ist die Liebe zum Detail, die
Liebe zur Natur und die Leidenschaft des Bastelns! Mit den eigenen
Händen etwas zu konstruieren, funktionstüchtig zu machen und im
Resultat den Erfolg zu erleben, das bringt mir immer wieder
Motivation, weitere Schiffe zu bauen und an Wettkämpfen
teilzunehmen«, sagt er. Auch das Vereinsleben an sich sei ein
schönes Gefühl, eine gut funktionierende Gemeinschaft mit gleichen
Zielen, Unterstützung und Erfahrungsaustausch. »Wir würden uns sehr
über Nachwuchs im Verein freuen. Ich bin mir sicher, viele
Jugendliche hätten mit dem Modellschiffbau ein besseres und
vielseitigeres Hobby als mit Computerspielen und Videos«, so der
Modellschiffbauer.
Einmal im Jahr veranstaltet der Nautic Club den »Casterix«-Tag. Dann
können alle Kinder und Jugendlichen einmal selber Hand an die
Fernbedienung der Vereinsschiffe legen und erste Eindrücke sammeln.
Doch auch bei den Vereinsmeisterschaften oder anderen öffentlichen
Veranstaltungen des Nautic Clubs sind interessierte Neulinge und
neugierige Fragen genauso willkommen wie erfahrene
Modellschiffbauer, die keinen eigenen Verein haben oder sich einfach
gerne austauschen möchten.
Am 10. September findet die große Vereinsregatta statt. Ab 9.30 Uhr
beginnen die Wettkämpfe, in denen sich rund 50 Modellschiffbauer
verschiedener be-freundeter Vereine aus ganz Nordrhein-Westfalen
messen. In unterschiedlichen Leistungsklassen haben die Kapitäne
verschiedenste Anforderungen zu bewältigen. Eine besonders knifflige
Aufgabe ist der Parcours zum Leuchtturm, der über einen genau zu
passierenden Kontaktpunkt zum Leuchten gebracht werden muss. Aber
auch bei der »Kanaldurchfahrt« kommt es auf ein ausgeprägtes
Fingerspitzengefühl an. Denn die Fahrer müssen ihre Schiffe durch
eine gerade mal einen Meter breite Strecke entlang zweier 2,50 Meter
langer Rohre navigieren. »Wenn die Schiffe ein Rohr berühren, gibt
es Punktabzug«, so Hans Ulrich Winkler.
Und wenn die Außensaison sich im Herbst dem Ende neigt, veranstaltet
der Nautic Club seine traditionelle Glühwein-Regatta. Neben der
Vereinsmeisterschaft findet eine abschließende Juxregatta bei
gemeinschaftlichem Glühweintrinken statt. Bis in die späten
Abendstunden werden die Schiffe dann ihre letzten Runden auf dem
beleuchteten Gondelteich drehen. Über die Wintermonate treffen sich
die Vereinsmitglieder regelmäßig im Haus Henze. Dort besprechen sie
die Veranstaltungen der kommenden Saison und fachsimpeln über die
neuen Boote, die bis zum Saisonauftakt neu gebaut werden. sh |